Asperger-Syndrom = Autismus-Spektrum-Störung

Die meisten Menschen, die zu ersten Mal mit dem Begriff Asperger-Syndrom konfrontiert werden, reagieren mit Unverständnis und mit Worten wie: “Habe ich noch nie gehört!” Diejenigen, die zumindest etwas wissen, verwechseln das Asperger-Syndrom oft mit einem rein psychologischen Problem, etwa mit Schüchternheit oder mit großer sozialer Unsicherheit, die auf der übertriebenen Sorge darum beruht, was andere von einem denken könnten. Oder mit der Überbewertung von Befindlichkeitsstörungen aufgrund übersteigerter Selbstbeobachtung. Da hört man dann Sätze wie: “Das bildest du dir nur ein!” Noch provokanter sind Bemerkungen, die schon in den Bereich von Beleidigungen gehören, wie: “Du suchst nur eine Entschuldigung für deine schlechten Umgangsformen!” Und das nur, weil man vielleicht keinen Blickkontakt halten kann oder auf Schulterklopfen ablehnend reagiert.

Dies beruht auf einem Missverständnis:
Das Asperger Syndrom ist eine schwerwiegende lebenslange autistische Behinderung, die erheblich mehr beinhaltet, als Einzelgänger zu sein, als sehr schüchtern zu wirken, eine Sozialphobie zu haben oder Kommunikationsprobleme zu haben.

Diese Behinderung beruht auf neurologischen Problemen, komplexen Störungen des Zentralnervensystems, insbesondere im Bereich der Wahrnehmungsverarbeitung, die nach heutigem Wissen höchstwahrscheinlich zumindest unter anderem genetisch bedingt ist.

Aber das bedeutet unter anderem auch, dass Autismus nicht heilbar ist, dass Autismus sich auf alle Lebensbereiche auswirkt, ja dass Autismus eine Mehrfachbehinderung ist.

    Asperger-Autismus ist eine tief greifende Entwicklungsstörung. (ICD-10 F 84.5)

wohlgemerkt Störung, nicht Verzögerung! Es ist also keineswegs so, dass die "normale" Entwicklung lediglich langsamer verläuft oder später einsetzt. Autismus "wächst sich nicht aus". Aus autistischen Kindern werden immer autistische Erwachsene!

Leider zielen viele Förderprogramme nur auf das autistische Kind und die Erwachsenen werden mit ihrem Problem allein gelassen. Auch manche Organisationen, die sich der Unterstützung von Autisten verschrieben haben, sehen vorrangig autistische Kinder und da auch manchmal nur den frühkindlichen Autismus.

Dazu kommt, dass sehr oft falsche Meinungen über Autismus und damit auch über das Asperger-Syndrom im Umlauf sind:

    Autismus hat nichts zu tun:

  • mit der "inneren Einstellung",
  • nichts damit, dass sich Betroffene etwa "nicht genug Mühe" gäben, ihren Zustand zu ändern,
  • nichts mit "mangelnder Willenskraft",
  • nichts mit "sich nicht zusammenreißen",
  • nichts mit "Selbstmitleid",
  • nichts mit "sich Hängenlassen",
  • nichts mit "Faulheit",
  • nichts mit "schlechter Arbeitshaltung",
  • nichts mit "zu schwach sein, den inneren Schweinehund zu überwinden",
  • nichts mit "fehlender Motivation",
  • nichts mit "Gleichgültigkeit"
  • nichts mit "Arroganz",
  • nichts mit "Egoismus"
  • nichts mit "Bosheit",
  • nichts mit "Trotz",
  • nichts mit Überempfindlichkeit im Sinne von "sich anstellen" oder "mimosenhaftigkeit",
  • nichts mit "verwöhnt sein",
  • nichts mit "zu viel Grübeln",
  • nichts mit "Einbildung",
  • nichts mit "Melancholie",
  • nichts mit "Trübsal blasen",
  • nichts mit "unzureichender Erziehung",
  • nichts mit "zu einseitig kognitiver Förderung",
  • nichts mit "nicht genug gefordert worden zu sein",
  • nichts mit "vernachlässigt worden zu sein"
  • nichts mit "unverarbeiteten Traumen",
  • nichts mit "sich in der Einsamkeit gefallen",
  • nichts mit "sich darin gefallen anders zu sein",
  • nichts mit "nicht dazu gehören wollen",
  • nichts mit "nicht erwachsen werden wollen",
  • nichts mit "Querdenken",
  • nichts mit "einer Modeerscheinung",
  • nichts mit "Zeitgeist"
  • aber auch nichts mit “Alleswissen” etc. zu tun!

Es ist nach heutigem Wissensstand nicht möglich, Autismus jemals loszuwerden. Weder durch Erziehung, noch durch Medikamente, noch durch Diäten, noch durch irgendeine sonstige Maßnahme gleich welcher Art. Dazu kommt, dass viele der Betroffenen gar nicht geheilt werden wollen, da sie sonst ihre Identität verlieren würden.

Man kann einzelne Symptome manchmal - leider durchaus nicht immer - mit viel Glück und sehr viel Engagement etwas mildern. Es ist manchmal möglich, mit sehr viel Einfühlungsvermögen, Verständnis, Geduld und intensivem Training dem Autisten zu helfen, einen Weg zu finden, ein wenig besser mit all den schwerwiegenden und sich auf jeden Lebensbereich auswirkenden Beeinträchtigungen umzugehen.

Doch sollte niemand die mit Autismus verbundenen Probleme verharmlosen, denn sie sind oft nur für den Betroffenen selbst spürbar und werden deutlich erlebt, auch wenn der Betroffene seine Empfindungen und Gefühle gar nicht oder nur bedingt zum Ausdruck bringen kann. Dadurch kommt es dann unter Umständen zu sehr heftigen Reaktionen, die für Nichtbetroffene scheinbar grundlos sind und die sozialen Kontakte noch erschweren.

Was jedoch alle tun können:

Toleranz zeigen und aufeinander zugehen und Autisten als vollwertige Glieder der Menschheit behandeln,
das wäre gelebte Inklusion!

 

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